In Rheinsberg – Filmvorführung mit Volker Koepp
1.11.2026, 14 Uhr

FilmGespräch

In einer Sonntagsmatinee ist Volker Koepps Dokumentarfilm über Rheinsberg aus dem Jahr 1982 zu sehen, gefolgt von einem Filmgespräch mit Volker Koepp und Detlef Karg.

1980 Diabetiker-Assistentinnen vor französischen Tapeten im Rheinsberger Schloss
1980 Diabetiker-Assistentinnen vor französischen Tapeten im Rheinsberger Schloss
Foto: Christian Lehmann

„Der Film ist eine Annäherung an ein Kapitel preußischer Geschichte, an Friedrich II. und seinen Bruder Heinrich, die in und um die märkische Kleinstadt Rheinsberg in Architektur und Landschaft ihre Spuren hinterließen. Historie und Gegenwart werden verknüpft in Gesprächen mit Bewohnern Rheinsbergs, Schlossangestellten und Bauarbeitern, ihren Bemerkungen zur Geschichte, ihrem Verständnis von Denkmalpflege und Erinnerungskultur und dem Baugeschehen der Jahre 1981 und 1982.“

aus: Grit Lemke: Unter hohen Himmeln. Das Universum Volker Koepp, Berlin: Bertz + Fischer Verlag 2019

Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Volker Koepp (Regisseur und Akademie-Mitglied) und Detlef Karg (Gartenarchitekt, Gartendenkmalpfleger und Akademie-Mitglied), der 1982 Protagonist des Films und von 1991 bis 2012 Landeskonservator in Brandenburg war.

Moderation: Helke Misselwitz, Regisseurin und Direktorin der Sektion Film- und Medienkunst

Nach dem Gespräch wird Detlef Karg die Gäste zu einem Spaziergang durch den Schlosspark begleiten. Zu seinen besonderen Erfolgen und schönsten Erinnerungen gehört die Wiederherstellung des Parks von Schloss Rheinsberg.

Eine Kooperation der Akademie der Künste mit dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum der Stadt Rheinsberg

Rheinsberger Arithmetik

Erinnerungen an die Dreharbeiten
von Volker Koepp, 1. Oktober 2026

Am 13. Januar 1982 drehten wir den Abriss des Ratskellers in Rheinsberg; der hatte eine gewisse Berühmtheit erlangt, immerhin hatten dort schon Fontane und Tucholsky logiert.

Es war auch der vorletzte Drehtag mit Detlef Karg für unseren Film In Rheinsberg. Dem Denkmalpfleger und Gartenarchitekt, der zu dieser Zeit mit der Wiederherstellung des Schlossparks beschäftigt war, konnte man den Schmerz ansehen.

Als wir uns ein Vierteljahrhundert später als Mitglieder in der Akademie der Künste in Berlin wiederbegegneten, erinnerten wir uns manchmal an absurde Ereignisse um die Zulassung des Films und an Diskussionen nach seiner Fertigstellung.

Am 30. Mai 2026 wurde während der diesjährigen Frühjahrstagung der Akademie der Künste an das 330. Gründungsjahr erinnert. An diesem Tag sprach Helke Misselwitz mit Detlef Karg und mir darüber, ob es nicht noch einmal eine Vorführung des Films vor Ort in Rheinsberg geben sollte; man feiere ja dort das ganze Jahr den 300. Geburtstag des Prinzen Heinrich von Preußen, des jüngeren Bruders Friedrich II. Er hatte als Kronprinz selbst in Rheinsberg gelebt; als er König wurde, schenkte er den märkischen Flecken mit Schloss, See und Park Prinz Heinrich.

Was für mich 1980 der endgültige Anschub war, in Rheinsberg einen Film zu drehen, weiß ich nicht mehr so ganz genau. Seit Beginn der Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts drehten wir im brandenburgischen Wittstock an der Dosse eine Reihe von Filmen über Arbeiterinnen in der dortigen Textilfabrik. Wie immer bei meinen Drehorten interessierte mich auch in Wittstock der Verlauf der Geschichte: „Sitz der Bischöfe von Havelberg, die große Schlacht am Scharfenberg, Schweden und Pest das alles ganz wüste lag (...) Kriege und Teilungen, der Todesmarsch 1945 …“ (Filmtext). 

Im Wittstocker Bahnhofsrestaurant der Mitropa konnte man ein laienhaftes Wandbild betrachten: Schloss Rheinsberg.

Der Blick von der Wittstocker Marienkirche in Richtung Rheinsberg. Nur 28 Kilometer entfernt aber durch ein Bombodrom der Sowjetarmee von Wittstock aus nur mit großen Umwegen erreichbar.

Im Juni 1980 hörte ich, dass das Reiterstandbild Friedrich II. aus dem Potsdamer Park von Sanssouci, da war es 1950 abgestellt worden, wieder Unter die Linden in Berlin zurückkehren soll. Da ich an vielen meiner brandenburgischen Drehorte trotz gegenwärtiger Themen immer auch preußischer Geschichte begegnete und sie in den Filmen zumindest auch erwähnte, interessierte mich dieser Umzug. Schließlich war mir Friedrich II. am 7. Mai 1978 auch schon bei Dreharbeiten im Oderbruch für den Film Am Fluss begegnet; der Gasthof in Letschin hieß seit jeher Zum Alten Fritz (Fontane! Unterm Birnbaum!). 1950 war auch dort das Denkmal des Königs abgebaut worden …

Am 18. September 1980 drehten wir (Kamera: Christian Lehmann) die Einrüstung des Standbilds im Park von Sanssouci und am 1. Oktober den Transport des Königs auf einem Tieflader nach Berlin.

Unter den Linden war das mächtige Reiterbild von Christian Daniel Rauch am 1. Dezember wieder aufgestellt, nur 6 Meter vom ursprünglichen Standort nach Osten versetzt. 

Friedrichs Feldherren sind am Postament drapiert, gleichfalls zu Pferde. Immanuel Kant und Gotthold Ephraim Lessing stehen zu seinen Füßen in nachdenklichem Gespräch vertieft …

Am 11. Februar 1981 marschiert die NVA (Nationale Volksarmee) der DDR im Stechschritt zur Einweihung am Denkmal vorbei. Im Hintergrund sieht man in dieser Einstellung das Hauptgebäude der Humboldt Universität; es diente einst Prinz Heinrich als Stadtpalais.

Parallel zur Fernverkehrsstraße 96, zwischen Löwenberg und Gransee, gab es einen wunderbaren einsamen Wanderweg. Auf dem Marktplatz in Gransee drehten wir im Frühjahr 1977 Friedrich Schinkels Denkmal für die Königin Luise. (Der Film Das weite Feld beschreibt bäuerliches Leben im nahegelegenen Dorf Häsen.)

Dieser Weg führt vom Schloss Hoppenrade (dort wohnte damals die Fotografin Sibylle Bergemann mit Arno Fischer) zum Wasserschloss Meseberg. In der Mitte, nach etwa 3 Kilometern, stand ein Trigonometrischer Punkt, eine luftige Holzkonstruktion. Auf den konnte man klettern und aus vielleicht 30 Metern Höhe in die ganze Welt schauen. Sibylle Bergemann schenkte mir damals eine Panoramafotografie von dort oben. 

Mit Einar Schleef wanderte ich bis zum Meseberger Schloss. Während des Weges hatte er einen Zopf aus Feldblumen geflochten, der bald eine lange Schleppe bildete.

Im Gartensaal war die Turnhalle der Schule untergebracht. Das Deckengemälde von Christian Bernhard Rode war ganz gut erhalten. Schleef befand: Die Könige hätten sie uns ja wenigstens lassen können. 

Auch zur Geschichte dieses Hauses konnte man bei Theodor Fontane Auskunft bekommen. Prinz Heinrich aus Rheinsberg hatte Meseberg seinem Flügeladjutanten Christian Ludwig von Kaphengst geschenkt …

Von Meseberg sind es etwa 20 km nach Rheinsberg. Dort drehten wir dann zwischen September 1981 bis zum 8. Februar 1982 an 22 Tagen. 

Filmtext: „Heinrich, nicht Flötenspieler wie sein Bruder, aber doch Geiger, pflegt an seinem Hof die französische Oper. Man kommt aus Berlin, sie zu hören. Auch Dorothea Schlegel ist 1792 in Rheinsberg: Das märkische Dorf in der Sandwüste. Kein ganzes Dach, kein ordentlich angezogenes Kind. Und nur das Schloß, in dem der Prinz wohnt, der Park, in dem er lustwandelt, die Straßen die er befährt, wohl ausgestattet und sorgfältig betreut. Das lässt Empörung entstehen. Es ward sehr lebendig in mir. Wie ein ganzes Volk sich mit einem Male gegen die schwelgenden Tyrannen auflehnen kann. Die sich ewige Symphonien vorspielen lassen und so das Geschrei des Elends nicht hören.“ Auch wegen dieser Filmsequenz gab es nach den Abnahmevorführungen in der DEFA Verzögerungen. In der DDR war damals gerade eine Kampagne zum Abdichten der Dächer von Mietshäusern angelaufen...

Das Standbild des Kronprinzen Friedrich am Eingang zum Schlosspark gegenüber dem Ratskeller ist im Film nicht zu sehen; es war gleichfalls 1950 abgebaut und im Schlosspark Sanssouci in Potsdam eingelagert worden. Das Denkmal vom Bildhauer Gottlieb Elster wurde 1995 mit Hilfe von Spenden der Rheinsberger Bürger restauriert und wieder aufgestellt.